Nachwachsende Volleyball-Rohstoffe
  06.07.2020 •     BSP Stuttgart Halle , Leistungssport


Marie Hänle und Janna Schweigmann von Allianz MTV Stuttgart II verlassen den Verein. Es zieht sie nach Niederbayern.

Nachwachsende Volleyball-Rohstoffe

Lena Große Scharmann hat es vorgemacht. Die Diagonalspielerin aus Möhringen wechselte im August 2018 vom Stuttgarter Zweitliga-Team zum Erstligisten NawaRo Straubing, mauserte sich dort im Kreis einer jungen und wilden  Mannschaft zu einer schlagkräftigen und gestandenen Spielerin. Der Kreis schließt sich, wenn die 22-Jährige in der kommenden Saison wieder in der Landeshauptstadt schmettert, nämlich beim Deutschen Meister von 2019, Allianz MTV Stuttgart.

Zwei weitere Jung-Talente aus der Stuttgarter Nachwuchs-Schmiede ziehen nun vom Neckar nach Niederbayern. Marie Hänle, die über ihren Heimatverein TSV Laupheim den Weg zum Bundesstützpunkt in Stuttgart fand, liegt gerade in der Endphase des Abiturs und zieht dann nach Straubing. Gemeinsam mit Teamkollegin Janna Schweigmann, ein Eigengewächs des Stuttgarter Bundesstützpunkts, deren Werdegang äußerst kurios ist. Sie schaute einst bei einem Oberliga-Spiel der TSF Ditzingen zu, wo ihre Mutter spielte und pritschte nach dem Spiel ein paar Bälle mit ihrem Bruder. Vor den Augen von Landestrainer Sven Lichtenauer, der die Partie zuvor verfolgte und sofort aufmerksam wurde. Wenig später begann die Volleyball-Ausbildung der einstigen Fußballerin beim Bundesstützpunkt in Stuttgart und ruckzuck war die 1,90 Meter große Sportlerin U-16-, später U-18-Nationalspielerin. In Straubing folgen nun also die weiteren Schritte der Ausbildung, und zwar „live“ sozusagen, direkt auf dem Erstliga-Spielfeld.

Eine Entwicklung, die den Stuttgarter Trainer Johannes Koch freut, der die beiden Abiturientinnen des Schickardt-Gymnasiums zuletzt in seinem Zweitliga-Team unter den Fittichen hatte. „Ich finde es supercool. Das ist eine Riesenchance für die beiden. Dieser Schritt kommt genau im richtigen Moment.“ Junge Talente hin oder her, Grünschnäbel sind die beiden
Jugendnationalspielerinnen längst keine mehr, haben sie doch in der vergangenen Saison auch zum erweiterten Stuttgarter Erstligakader gehört und dabei sogar Kurzeinsätze in der Champions League gehabt – als 17-Jährige.

„Mein Lieblingsschlag ist von der Position zwei hart diagonal übers Netz“, sagt Marie Hänle. Die 1,88 Meter große Angreiferin sammelte in der vergangenen Zweitliga-Saison die Spieltagsauszeichnungen als wertvollste Stuttgarter Akteurin wie im Abonnement und hat jetzt noch mehr vor.

„Ich möchte mich weiter entwickeln, meine Technik verbessern und viel Erfahrung in der 1. Liga sammeln“, sagt Marie Hänle. Ihre Weggefährtin Janna Schweigmann verlässt dabei zum ersten Mal ihr Elternhaus: „Ich glaube, ich bin sehr selbstständig für mein Alter und sehe da keine Probleme“, sagt die Mittelblockerin. 

Die Abkürzung „NawaRo“ steht für „Nachwachsende Rohstoffe“. Die Region um Straubing herum hat sich ganz den Themen der Energie- und Rohstoffwende gewidmet und ist auch international bekannt für Forschung und Hochschulbildung im Bereich der grünen Biotechnologie. 

Und es sind immer wieder Volleyball-Rohdiamanten, die in den vergangenen Jahren den Weg nach Straubing gehen, um dort den passenden Schliff zu erhalten. Ein Klub, der im Vergleich zur nationalen Spitze finanziell weniger üppig ausgestattet ist, setzt mit dem jungen und begeisternden Trainer Benedikt Frank auf junge Talente und entwickelt diese weiter. 

„Mein Dank gilt den Verantwortlichen am Stützpunkt in Stuttgart, mit denen wir seit Jahren sehr gut zusammen arbeiten“, sagt Straubings Trainer Frank. Die Stuttgarter Volleyball-Talentschmiede gab bereits Frauke Neuhaus (über Ladies in Black Aachen und Straubing zum VC Wiesbaden) und auch Julia Wenzel (über Straubing zum VC Wiesbaden) in seine Hände.

Fazit: Die Zusammenarbeit der Erstliga-Konkurrenten läuft geschmeidig. Und dem Nachwachsen folgt im besten Fall das Über-sich-hinaus-Wachsen.